Hollywood ist eine gurgelnde Wunde

Gestern im Kino:

  • Verarmte Schwarze und Hispanics, die einander erschiessen, erstechen, erschlagen. Weil Weisse ihnen dafür Geld versprechen. „Die geben mir 5000 Dollar, Mann!“
  • Weisse, nationalistische Politiker, die in einer armen Gegend New Yorks für eine Nacht alle Gesetze ausser Kraft setzen. Ausrauben, vergewaltigen, morden: alles erlaubt.
  • Eine weisse, nationalistische Forscherin, die solche Sätze sagt: „Zuerst müssen Moral und religiöse Dogmen überwunden werden. Dann machen die Menschen mit, Sie werden sehen.“
  • Zwei schwarze Prostituierte, die einen schwarzen Drogenboss killen und ausrauben wollen – im Auftrag eines schwarzen Gangsters.
  • Einen schwarzen Junkie, der Partygäste mit Spritzen attackiert.
  • Hispanics, die Geschäfte plündern und grölen.
  • Gläubige Schwarze, die während dieser Säuberungsnacht in einer Kirche angegriffen werden.
    (Aha! Die Kirchen-Angreifer sind Auswärtige! Weisse! Der Ku-Klux-Klan ist auch da! Die wollen mitmorden, wenn sie schon mal dürfen. Wie konnte man dieses Risiko bloss übersehen?)
    (Doppel-Aha! Die weissen Angreifer sind russische Söldner, angeheuert von der US-Regierung.)
  • Eine Forscherin, die plötzlich zum US-Präsidenten sagt: „Ich habe mich geirrt. Unser Land braucht das gar nicht.“
  • Einen Präsidenten, der kalt antwortet: „Das Land ist überbevölkert. Dieses Experiment ist unsere letzte Chance.“
  • Einen schwarzen Gangster, der zu schwarzen Gangstern sagt: „Lasst uns diesen weisshaarigen Motherfuckers zeigen, dass sie sich niemals mit uns anlegen sollen!“
  • Denselben schwarzen Gangster, der einen Weissen aufschlitzt – das Blut gurgelt geräuschvoll aus dessen Körper – und dann zu der weissen Männerleiche sagt: „Verpiss dich aus meinem Viertel.“
  • Eine schwarze Mutter, die ihre Tochter tröstet mit den eindrücklichen Worten:
    „Mach dir keine Sorgen. Diese Nacht wird nicht gewinnen.“

Soviel zu The First Purge („Die erste Säuberung“), einem Film, der gerade in den Filmcharts sogenannt fortschrittlicher Länder weit oben thront.

Nächstens dann im Kino (ich weiss das nur dank der heiteren Vorschau, die unmittelbar vor der Säuberungsaktion gezeigt wurde):

Catch me.
Ein Film über blendend weisse, blendend gelaunte Erwachsene, die aus Jux miteinander Fangen spielen. Ein Leben lang, immer wieder. Dank dieses gemeinsamen Hobbys bleiben sie gute Freunde. „Nach einer wahren Geschichte…“

Die amerikanische Filmindustrie, das steht für mich seit gestern fest, wird die Menschheit nicht retten.

Netflix muss das alleine schaffen.

 

***
Nach dem Film folgte ich zwei knapp 20-Jährigen die Rolltreppe hinauf, raus aus dem Kino, hinein ins letzte Licht eines weggeworfenen Sommerabends.

Er zu ihr: Das war bisher der beste Purge-Film.

Sie: Nein.

Er: Doch, natürlich.

Sie: Nein, sicher nicht.

Da erfüllte mich Trost und Zufriedenheit. Wenigstens die Filmkritik lebt noch.

 

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