Party, Ausrufezeichen, Ausrufezeichen, Ausrufezeichen

Am Wochenende war bei uns die Hölle zu Besuch, Menschen mit Autokennzeichen aus allerlei Regionen kamen und besoffen sich, und sie liessen die leergesoffenen Flaschen an und in unserem See zurück, und die Wiese, wo das Ganze stattfand – ein Musikfestival war es -, sieht jetzt aus wie nach einer zweiwöchigen Motocross-Weltmeisterschaft.

Für Musik habe ich Sympathien (sch*****, jetzt ist mir wieder der Satz rausgerutscht, den ich hier verboten habe). Sie, die Musik, muss aber ein gewisses Niveau erreichen, damit ich sie mag, und damit meine ich ein textliches. Klar, nicht jeder Song kann so sein. Aber was sich bereits in der ersten halben Stunde des wochenendlichen Wahnsinns bei uns abgespielt hat, ist… – ich kann es nicht beschreiben, ich muss daraus zitieren. Der Typ auf der Bühne hiess Trauffer. Sein schweizerdeutscher Text – die Leute sangen ihn mit, als stünde die Schweiz im EM-Final in Paris, was ich nicht von vornherein ausschliessen möchte – ging so (ich hörte ihn, da der Wind ungünstig wehte, bis in mein Schlafzimmer, zu den Kippfenstern hinein, und ich übersetze ihn hier für die internationale Leserschaft ins Deutschdeutsche):

Fräulein Marty
komm, wir machen Party!
darauf warte ich
seit ich Sie zum ersten Mal gesehen habe

Ich habe sie draussen vor dem Löwen getroffen
Wir sind fast ineinander hineingelaufen
Ich sagte: Schau, hier ist noch offen
Komm, trinken wir doch eins

Sie sagte: Ich wohne gleich gegenüber
Seither komme ich ab und zu hier vorbei
Und wir nehmen noch ein Gläschen Wein
oder auch zwei!

Nach dem dritten sind wir lustig
Nach dem vierten noch ein bisschen mehr
Nach dem fünften oder sechsten sage ich:
Hören Sie zu…

Fräulein Marty
komm, wir machen Party!
darauf warte ich
seit ich Sie zum ersten Mal gesehen habe

Fräulein Marty
komm, wir machen Party!
darauf warte ich
schon verdammt lange

Der Song geht noch ewig so weiter, es geht dann noch um Röcke und Zöpfe und darum, ob man sich nicht duzen wolle. Dass er, der Trauffer (der Ich-Erzähler, ich korrigiere mich), bis dahin schon mehrmals komm, wir machen Party gesagt hat, was in meinem Sprachverständnis ein unmissverständliches Duzen ist – eigentlich sogar eine freche Duzerei, da es offenbar nicht damit einverstanden ist – dieser Widerspruch scheint in dem Text keine Rolle zu spielen. Wichtiger als Logik ist die Pointe: Es, das Fräulein Marty, findet nämlich – in der am wenigsten behämmerten Textzeile – dass es nicht mehr das gleiche wäre, wenn man sich duzte.

Natürlich würde dann auch der Refrain nicht mehr aufgehen, der noch stundenlang aus vierzehntausend Kehlen in den von aufgeschreckten Möwen durchflatterten Abendhimmel gebrüllt wurde:

Fräulein Marty
komm, wir machen Party!
Fräulein Marty
komm, wir machen Party!
Fräulein Marty
komm, wir machen Party!
Fräulein Marty
komm, wir machen Party!

In den schlimmsten Momenten wünschte ich mir sogar – ernsthaft! -, an Trauffers Stelle würde der Grönemeyer singen…
Der kam aber nicht. Es kam dann noch Andreas Gabalier.

 

 

 

 

_____
PS: Die Lokalzeitung hat heute berichtet, die Party auf der schönen Wiese am See sei ein Erfolg gewesen.

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Party, Ausrufezeichen, Ausrufezeichen, Ausrufezeichen

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