1319 Frauen im Swimmingpool

Eine Freundin von mir – sie hat lieber, wenn ich Kollegin sage in der Öffentlichkeit – hat sich gewünscht, dass ich auf dem Schreibplaneten etwas über ihr Lieblingsthema schreibe. Nun, das tue ich gerne. Ihr Lieblingsthema, das ist die Lachszucht.

Da ich nie in einer Lachszucht (oder Lachszüchterei) in, sagen wir, Alaska oder Norwegen zu Besuch war – mir sind bisher immer andere Ferienaktivitäten in die Quere gekommen, beispielsweise, um in der Nähe des Themas zu bleiben, Fischhodenessen in Japan -, eben deshalb kann ich über die Lachszucht nur mutmassen. Ich nehme an, dass es ähnlich wie bei Kühen funtioniert.

Die Lächsinnen schwimmen also in einem Tank (das tun Kühe nicht, ist mir klar). So um die zehn Lächsinnen pro Kubikmeter. Bei einem Tankdurchmesser von zwölf Metern und einer Hohe von dreieinhalb sind das 12 x \pi x 3,5 x 10 Lächsinnen, also deren 1319 pro Tank. Die schwimmen dort, vermutlich im Kreis.

Nun kommt zweimal am Tag der Lachswart. In Alaska heisst er Doug. In Norwegen Harald, seine Freunde nennen ihn Fischkopf, während Doug in Alaska für alle der Sheriff ist, denn er trägt eine Autorität ausstrahlende Lachswart-Uniform, an deren Jackett einen silbernen Sheriffstern (von einem Flohmarkt in Seattle, dort war er vor achtundzwanzig, vielleicht schon dreissig Jahren, seither ist er Alaska und seinen Lächsinnen treu geblieben), und einen knappen Meter unter dem Sheriffstern, an seiner Hose, trägt er ein Messer, das ziemlich scharf aussieht und wohl direkt etwas mit den Lachsen zu tun hat. Aber eben, ich bin kein Spezialist. Zweimal am Tag also schauen Doug, der Sheriff, respektive Harald, der Fischkopf, am Tank vorbei. Dort schmeissen sie Antibiotika rein, pulverförmig, ein Messbecher pro 100 Lächsinnen, also 13 Messbecher, der letzte leicht gehäuft.

Im Februar und im Juli – und jetzt nähern wir uns der Kuhzucht -, zweimal jährlich also, da kommen die Besamer (ihre Namen kenne ich nicht). Was ein Besamer tut, ist einfach zu erraten: Er lässt ein ausgewachsenes Prachtsexemplar männlichen Lachses (in der Fachsprache: einen Lachsbullen) in den Tank. Die 1319 Lächsinnen werden einen Monat später – das ist dann wieder alleine Sheriffs respektive Fischkopfs Aufgabe – in Nachbartanks entlassen, wo sie laichen (Fachsprache: ablachsen) und schliesslich sofort bei lebendigem Leib geräuchert, verpackt und verschifft werden.

Tranchiert werden die Lächsinnen dann erst bei uns, idealerweise von einer Lachs- oder zumindest Fischfachperson, und das am besten frühmorgens, bevor die Kundschaft in den Laden kommt. 90 Prozent wird korrekt als Zuchtlachs ausgewiesen, der Rest als Wildlachs mit zertifizierter Fangmethode.

Nicht ganz klar ist mir, was mit den überzähligen Lachsbullen geschieht. Aber ansonsten, denke ich, muss das in etwa so funktionieren, das mit der Lachszucht.

3 Gedanken zu “1319 Frauen im Swimmingpool

  1. Witzig, und ein bisschen traurig zugleich. Diese Armen Lachsbullen haben eine Menge zutun! 1319 Frauen.. wow. Diese Besamer ziehen dann bestimmt zwischen eben diesen Flohmärkten in Seattle herum und haben ein großes Goldfischglas bei sich, beziehungsweise ein Lachsbullenglas und stellen dann ihren Zuchthengst zu schau, um all die ansässigen Lächsinnenhalter davon zu überzeugen, ihren Lachsbullen auszuwählen. Oder es gibt so riesige Messen, wo dann der Lachsbulle des Jahres gekührt wird. Von dem die Fischinnen besamen zu lassen kostet dann 5 Euro oder Dollar, oder Lachsgulden pro Weibchen…
    Ein riesiger Lachsbullenamenschwarzmarkt..

    Gefällt 1 Person

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