Sarbach geht spazieren

Wir machen einen Spaziergang auf den Pass/
Das Alleinesein und das Verrücktsein
sind meine Begleiter/
Sie redeten auf mich ein,
bis ich sie mitnahm/

Die Schwermut schleppt sich hinter uns her/
Sie konnte noch nie wirklich gehen/
Sonntagsspaziergang auf den Pass/
Sonntagsspaziergang/

Schweigend gehen wir weiter/
Schweigend wie die Steine dieser Berge/
Sonntagsspaziergang auf den Pass/
Sonntagsspaziergang/

Auf einmal sagt das Alleinesein:
Ich fühle mich so allein!/
Und darauf das Verrücktsein:
Du bist doch verrückt!/

Jetzt kommen wir/
oben auf der Passhöhe an/
oben auf der Passhöhe an/

(Sarbach: «Pass», frei aus dem Berndeutschen übersetzt)

Was mir dazu in den Sinn kommt:

Sarbach gilt als Blödelbarde, gibt sich selber dieses Image. Wenn er ein Konzert ankündigt, schreiben die Lokalzeitungen nicht über seine Musik, seine Texte, sondern über sein Fahrrad. Mit dem Fahrrad kommt Sarbach zu seinen Auftritten, immer, überallhin, der ist doch verrückt! Sie erwähnen die Quietscheentchen auf der Bühne, auf den Fotos zu den Artikeln zeigt sich Sarbach mit bunten Sonnen- und Taucherbrillen. Manche Journalisten nennen ihn Liederzüchter, ohne Anführungszeichen, weil er sich selber so nennt.

Sarbachs Texte bleiben eine von der Öffentlichkeit unberührte Landschaft, und das bei 200 veröffentlichten Songs in weniger als zwanzig Jahren. Man kann einen beliebigen davon herauspicken, überall ist eine überraschende Sichtweise, ein unerwartetes Bild. Nehmen wir «Wie» von 2011:

Sarbach beschreibt den Wohlstand: «Wie soll ich vom Tellerwäscher zum Millionär werden, wenn ich von Anfang an einen Geschirrspüler besitze?»

Sarbach beschreibt den Verlauf von Beziehungen: «Wie soll ich dich morgen anlügen, wenn ich heute kein Wort rausbringe?»

Ein Blödelsatz gegen Schluss des Songs relativiert all die gehaltvolleren vor ihm, tötet ihren Nachhall; er passt besser zu Sarbachs Trottel-Image: «Wie soll ich morgen nach Amerika schwimmen, wenn ich heute meine Schwimmflügel verlegt habe?»

Ein Poet – oder zumindest ein guter Beobachter – bleibt Sarbach aber selbst in seinen blödesten Texten: «Ich bin ein Rocker. Ich habe eine Frisur wie eine Zahnbürste nach zwei Jahren.»

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