Die Bootsausstellung und das Eigentor

Ich bin Fan des Eishockeyklubs Freiburg-Gottéron, heute Abend beginnt die neue Saison, und wie ich wissen auch die meisten anderen Fans, dass der Verein seit 1980 ununterbrochen in der höchsten Liga spielt. Nur ein anderer Klub (der EHC Kloten) ist noch länger oben. Aufgestiegen sind wir damals, am 4. März 1980, mit einem sensationellen 6:0-Heimsieg gegen den favorisierten Zürcher SC, den wir in der Tabelle der Aufstiegsrunde somit im allerletzten Spiel noch überholten. Aber das, liebe Leute, ist nicht die ganze Geschichte…

Zum heutigen Saisonbeginn habe ich im Archiv gewühlt und herausgefunden, dass der Zürcher SC damals für das allesentscheidende Spiel möglicherweise ungenügend vorbereitet war. Weil er nämlich im zweitletzten Spiel und vermutlich auch für die Trainings… sein Stadion nicht benutzen durfte!

Der ZSC, der wegen der Bootsausstellung im Hallenstadion das letzte Heimspiel in Zug austragen musste, kanterte den HC Villars nieder (13:0). Die Freiburger hingegen hatten vor 4’800 Zuschauern grosse Mühe mit Ambrì-Piotta, da die Verteidigung einmal mehr Schwächen erkennen liess. Mit nur einem Tor Unterschied gewannen die Westschweizer schliesslich die Partie, in der 15 Tore erzielt wurden (8:7).

(Neue Zürcher Zeitung NZZ, Seite 37 vom Montag, 3. März 1980, am Tag vor unserem Aufstieg)

Als ich das las, lief es mir eiskalt den Rücken runter und den ganzen Rücken wieder rauf, denn mir wurde klar: Wir gewannen das zweitletzte Spiel vor dem Aufstieg mit 8:7. Acht zu sieben! Ein Tor weniger, und wir hätten uns den Aufstieg schon an diesem Abend beidseitig an die Beinschoner schmieren können. Und für lange, lange Zeit, vielleicht für immer, wäre dies die letzte Chance geblieben, von der heute vielleicht noch ein paar alte, knorrig-runzlige Einheimische vor einem leergestocherten Fondue-Caquelon wehmütig reden würden, wahrscheinlich aber gar keiner mehr.

So wie heute auch niemand mehr von unseren ersten zwei Partien in der obersten Liga redet. Wer, von den ganz Eingefleischten, kann mir sagen, gegen wen wir spielten – und mit welchem Ergebnis?

Nun, ich habe auch das im NZZ-Archiv ausgegraben und werde es euch verraten: Wir verloren das erste Spiel auswärts in Kloten mit 2:5. Aber dann… dann kam unser erstes Heimspiel aller Zeiten in der Nationalliga A, und wir haben ihn sogleich geschlagen, ihn vom nebligen Eis gefegt, in der Freiburger Unterstadt, ihn weggeputzt: den SC Bern. Wir gewannen 4:1. Und waren danach Tabellendritter. Wir waren von Anfang an brandgefährlich.

[…] der SC Bern, der vor 4’500 Zuschauern in der ausverkauften Halle von Freiburg am kämpferisch eingestellten Neuling und insbesondere am hervorragenden Torhüter Meuwly scheiterte. Bester Spieler auf dem Platze war Jakob Lüdi, der drei Treffer zum Erfolg der Freiburger erzielte; beim ersten Tor hatte er allerdings insofern Glück, als Grubauer den hinter dem Tor abgegebenen Schuss unglücklich ins eigene Netz abfälschte.

(Neue Zürcher Zeitung NZZ, Seite 53 vom Mittwoch, 1. Oktober 1980)

Heute beginnt also, man rechne, die siebenunddreissigte Saison ganz oben. Es wäre also mal an der Zeit, erstmals Meister zu werden, damit es nicht wieder so endet; aber eben, was ich euch mit diesem Textlein sagen will: Legendäre Siege hatten wir schon vor Jahrzehnten. Wir müssen sie nur aus Archiven holen. Und bei jeder Gelegenheit erzählen, mit wichtigem Blick und ein bisschen nostalgischer Tränenflüssigkeit im Augenwinkel:

„Unser erstes Heimspiel-Tor in der Nationalliga A war ein Eigentor des SC Bern!“

 

2 Gedanken zu “Die Bootsausstellung und das Eigentor

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