Das Wetter in mir drin

Weg war ich.

Las ein Buch, ein dickes. Sass unter einer weinenden Dauerbewölkung. Und fror. Und ich fragte mich: Weshalb handeln viele Bücher vom Leben einer Hauptfigur, die ausgerechnet Schriftsteller ist?

Soll der Leser das besonders glaubwürdig finden? Ist es vermessen, wenn er stattdessen denkt: Das ist nicht besonders kreativ ? Das jedenfalls denke ich, wenn ein Schriftsteller über einen Schriftsteller schreibt, als wäre das der naheliegendste Beruf, den eine Hauptfigur haben kann. Gibt ja sonst kaum Betätigungsfelder. Ein Buch über einen Lastwagenfahrer: wieso?

Joël Dicker, der dieses Buch erfunden hat (Titel: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert), hat die Erlebnisse zweier Schriftsteller beschrieben. Joël Dicker ist Schweizer, die beiden im Buch sind Amerikaner. Die einzige Frage, die mich interessiert in diesem länglichen Wer-hat-wen-ermordet-und warum-und-hätte-man-das-nicht-ausdiskutieren-können-Thriller: Schreibt er nun über sich selber oder hat er doch ein wenig Phantasie und schreibt zumindest über irgendwelche Schriftstellertypen, die es da draussen gibt?

Eigentlich beschäftigte mich das Leben der beiden Schriftstellerfiguren herzlich wenig. Irgendwann war ich gerade auf Seite 315 von 727 und stellte fest, dass ich, während ich in dem Buch las, das ich immerhin zu meiner Ferienlektüre erkoren hatte, mehr über den Regen nachdachte als über die Erzählung. Ich philosophierte still. Und stellte fest, dass wir das Ferienwetter gewohnheitsmässig (= zwanghaft?) mit dem Wetter back home vergleichen.

Zu Hause war Sommer. Bei mir, 650 Kilometer südwestlich, nicht. Meine Mai- waren Oktobertage.

Badehoseumwollsocken
Flipflopsaserpelzjacke
Sonnencremechirm

Ich wollte diese Woche nutzen, um mich von Floskeln zu verabschieden. Darum antworte ich jetzt auf die gewohnheitsmässige (= phantasielose?) Frage Und, wie war’s? nicht:
Arschkalt, und immer Regen, da hattet ihr’s hier offenbar besser.
Nein, ich sage:
Es war wunderbar. Dank des Regens konnte ich Pool Pool, Sport Sport, Ausflüge Ausflüge sein lassen. Musste nix, konnte dafür. Nämlich: Mich ums Lesen kümmern. Und um die Gedanken, die daraus wurden. Und ja, ich fror, aber der Tee war heiss, wenn ich ihn heiss wollte, und das Kraut darin noch kaum richtig gepflückt.
Gar nicht übel, dieser Klimawandel.

Ich meine den in mir drin.

So denken vielleicht auch die Schriftsteller, die über Schriftsteller schreiben. Meine Welt, das Wetter in mir drin, ist meine Geschichte. Und die Welt, das gesellschaftliche Wetter da draussen? Ist egal.

3 Gedanken zu “Das Wetter in mir drin

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