Volksinitiative zur Abschaffung der Müllabfuhr- und Sackgebühren

Ehrlich gesagt: Freitag ist mir zu früh!

Meistens merke ich zwar am Freitagmorgen, dass schon wieder Freitag ist. Stelle aber trotzdem nichts raus. Manchmal öffne ich – nur um zu sehen, was ich eh schon weiss – kurz die kleine Küchenschranktür unter dem Abwaschbecken: Der Sack ist jedes Mal noch halbleer (halbvoll wäre schon eine Übertreibung).

Ihr seht: Sie kommen zwar am Freitag, aber mir bringt das nichts.

Ich persönlich habe volle Säcke nach dem Wochenende. Wieso auch sollte ich am Freitag schon genug Müll beisammen haben? Normale Leute arbeiten die Woche über. Die haben keine Zeit, Müllsäcke zu füllen. Aber – und das ist das Problem –: Von genau diesen normalen Leuten, vom Volk, wird verlangt, dass wir brav unsere Müllabfuhrgebühr bezahlen. Das sind 100 Franken pro Haushalt jährlich – und dann noch 2 Franken 70 Rappen pro Sack. Man rechne.

Mehr als zwei Typen habe ich noch nie hinten auf dem Müllwagen mitfahren sehen. Plus der Fahrer. Eben. Wer da genau nachrechnet, gerät ins Grübeln.

Die ganze Sache – verzeiht mir das Wortspiel – stinkt gewaltig. Jeder sieht doch, dass hier zu freitagslastig gearbeitet wird. Und von Sonntagabend an, wenn der Sack in einem normalen Haushalt logischerweise voll ist, soll er wohl bis zum nächsten Freitagmorgen in der Küche – inmitten frischer Lebensmittel – vor sich her gammeln, faulen, rotten, bis sich die gebührenfinanzierten Herren in Orange wieder in unsere Strasse bequemen?

Es gibt in unserer Stadt drei Recyclinghöfe. Dort nehmen sie meinen Abfall auch, und zwar – liebe Müllmänner, höret und staunet – von Montag bis Samstag, immer. Da muss man sich nicht an irgendwelche Zeiten halten, und niemand weiss alles besser und sagt einem: Stell deinen Sack nicht mitten aufs Trottoir, sonst kommen die Fussgänger nicht mehr durch oder Der ist nicht gut zugebunden oder Deinen haben die Krähen aufgerissen, putz die Schweinerei mal bitte schön zusammen. Ist alles schon vorgekommen!

Die von den Recyclinghöfen sind einfach froh, dass man da ist, und sagen tun sie nicht viel. Und wenn man eh ein Auto hat – was ein normaler Mensch normalerweise hat, ausser er ist grün oder vegan oder was weiss ich –, ist man ja selber blöd, wenn man auf Freitag wartet.

Manchmal fällt ein Freitag auf einen Feiertag – oder umgekehrt, das spielt denen keine Rolle –, dann kommt niemand. Kein Müllauto sichtbar, keine orangefarbenen Jacken, nichts. Das leuchtet denen nicht ein, dass sich ein normaler Müllsack genau gleich schnell füllt, egal ob Jesus irgendwann vor hundert Jahren irgendwas gemacht hat, an zufälligerweise genau diesem Datum.

Euer Jesus hat sicher keine Jahresgebühr und keine Sackgebühr bezahlt, im Gegensatz zu uns, das sollte man denen sagen. Nützt aber nichts, die hören eh nicht zu. Stellen sich taub. Die Gebühren kommen sowieso rein, Jahr für Jahr für Jahr für Jahr. Möchte nicht wissen, wovon die ihr Weihnachtsessen bezahlen.

Es ist nicht so, dass die von den Recyclinghöfen komplett aufs Maul hocken würden. Ich habe die auch schon in Gespräche verwickelt. Meistens haben sie viel zu tun (im Gegensatz zu gewissen anderen Herren), aber wenn sie dann mal sprechen, dann sagen sie auch: Ja, ja, die Stadt mit ihrer Müllabfuhrgebühr und ihren Sackgebühren. Und dann diskutiert man ein bisschen, und es geht hin und her, und irgendwann finden die meisten von denen nämlich auch: Ja, diese Gebühren sind eigentlich ein alter Zopf und könnten weg. Die würden sowieso auch ohne Gebühren noch den Müll einsammeln, sonst würde es stinken, und das wollen die ja auch nicht.

Aber sag das mal den Müllabfuhr-Chefbeamten bei der Stadtverwaltung in ihren auf 24 Grad geheizten Büros. Oder – noch schlimmer – dem orangen Pack selber. Da kommen keine Alternativvorschläge, wenn du mit denen diskutierst. Kein: Sollen wir lieber am Montag kommen, oder nur alle zwei Wochen, oder nur dann, wenn die Recyclinghöfe Betriebsferien haben, oder nur im Krieg, wenn es zu gefährlich ist, mit dem Auto zum Recyclinghof zu fahren, oder wenn es – auch das kommt im Krieg vor – kein Benzin mehr hat?

Nichts dergleichen schlagen sie vor. Jahrelang wurde diese Diskussion verweigert. Kalten Arsches. Es gibt leider keine anständigen Worte dafür.

Und je länger man es sich überlegt, desto klarer wird, dass es nur eine Lösung gibt – anders lernen sie es nicht:

Wir verbieten die Müllabfuhrgebühr. Und die Sackgebühr.

Sofort und für immer.

Wenn sich dann – eben zum Beispiel während der Betriebsferien der Recyclinghöfe – der Müll auf den Trottoirs auftürmt (da seht ihr dann, was es heisst, wenn die Fussgänger und Schulkinder und Rollatoren nicht mehr durchkommen), wenn die Krähen die dreckigen Babywindeln und die Essensreste und all das andere Zeug aus den Säcken hacken und auf der Strasse verteilen, wo alles schön modert und gärt und Fliegen gebärt, dann werden wir es sein, die sich die Hände reiben. Dann schauen wir mal weg. Weil uns das nämlich nicht umbringt.

Die Stadt hat schon Schlimmeres gesehen.

Dann bleiben wir halt abends mal ein bisschen zu Hause, schliessen die Fenster so gut es geht, kuscheln uns aneinander und schauen Bauer sucht Frau.

 

 

 

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