Fünftausend Fotos von dir auf meinem Nachttisch

Lieber Leser,

gib mir heute das Passwort für deinen E-Banking-Anschluss. Gib mir all deine privaten und geschäftlichen E-Mails. Deine Fotos, vor allem die peinlichen. Und sämtliche Browser- und Chatverläufe. Du speicherst das alles auf einen USB-Stick und schickst ihn mir per Post.

Ich werde ihn auf meinen Nachttisch legen, deinen Stick, und gut auf ihn aufpassen. Sonst mache ich nichts damit, das kannst du mir glauben.

Hier bleibt dein Stick so lange, bis du ihn wieder brauchst. Für dich ist das super. So brauchst du weniger Speicherplatz auf deinem Computer und deinem Smartphone. Ist ja alles auf dem Stick, und der liegt neben meinem Bett. Von dem du zwar nicht weisst, wo es steht. Aber wird schon gut sein.

Du kannst ihn jederzeit wieder anfordern. Einverstanden?

Du zögerst.

Die meisten würden zögern. Die Leute speichern ihre intimsten Daten stattdessen in einer Cloud, hoch oben. Das ist praktischer, kein Stick, kein Briefporto, und sowieso: Ich könnte den USB-Stick ja jederzeit ins USB-Loch meines Laptops stecken und sie mir ansehen, deine Fotos, deine Mails, deine Whatsapp-Chats, all deine Google-Suchwörter aller Zeiten, deine Bestellungen bei Amazon und Zalando, deine Kontonummer. Geht mich aber nix an.

Dann lieber die anonyme Wolke.
Die ist aber – wenn wir uns von der wolkigen Idee verabschieden und zurück auf festem Boden sind – auch nur der Computer von jemand anderem. Diesen Jemand kennst du noch schlechter als mich…

Also: Steht der Deal?

 

6 Gedanken zu “Fünftausend Fotos von dir auf meinem Nachttisch

  1. Das ist alles nur ge-cloud…

    Es ist nicht einmal der Computer von jemand anderem. Es ist der Server von jemand anderem, der den womöglich weider gar nicht selbst besitzt, sondern von wem anders schnöde gemietet hat.
    Und manchmal fallen halt auch ein paar Datensätze aus allen Wolken.

    Ultimativer Sicherheitstip vom Quasi-Fachmann: Im Netz niemals Dinge raushauen, die man nicht auch im Stadtpark von sich geben würde, auf einer Kiste Bier stehend.
    Überhaupt sollte man seine Daten nur dann großzügig rausgeben, wenn man auch großzügig dafür bezahlt wird. Stattdessen haben alle Payback ;)

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  2. Ich würde nie, nie, nie persönliche und intime Daten in einer Cloud speichern! Ich würde überhaupt niemals irgend etwas in einer Cloud speichern! Ich habe meine externe Festplatte, und die wird weggesperrt, wenn ich nicht zuhause oder auf Reisen bin. ;-)

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  3. Damit hast du so recht. Ich habe ein google drive Konto, und teile einen Ordner mit jemand anders. Der mir neulich erklärte, er könne die anderen Daten auch sehen, die eigentlich nicht für ihn frei gegeben sind. Wir finden beide nicht heraus, warum. In so ner Cloud kannste im Grunde nur Sachen ablegen, die sowieso jeder sehen kann

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